Verwaltungsmodernisierung und E-Government erfordern neue Architekturkonzepte für Rechenzentren im öffentlichen Sektor. Wichtigste Merkmale dieser neuen Architektur sind konsolidierte, weitgehend virtualisierte Ressourcen, Mandantenfähigkeit sowie ein modularer Aufbau aus wiederverwendbaren Infrastrukturbausteinen.
Vor wenigen Wochen fiel der Startschuss für den Pilotbetrieb der Behörden-Hotline 115. Die bundeseinheitliche Rufnummer gilt zu Recht als Meilenstein im deutschen E-Government. Denn sie legt dem Verwaltungshandeln konsequent die Bedürfnisse von Bürgern und Wirtschaft zugrunde. Das Projekt ist vom New Yorker Erfolgsmodell 311 inspiriert. Hierzulande stellt der Hotline-Service jedoch weitaus größere Herausforderungen – nicht nur quantitativ, sondern auch aufgrund komplex verteilter Zuständigkeiten, die sich aus der föderalen Ordnung der Bundesrepublik ergeben.
Die einheitliche Behördenrufnummer 115 macht einen Punkt besonders deutlich, der im E-Government generell gilt – nämlich dass es entscheidend darauf ankommt, Verwaltungsprozesse über Ämtergrenzen und Zuständigkeitsebenen von Bund, Ländern und Gemeinden hinweg enger miteinander zu verzahnen. Wer das Verhältnis öffentlicher Verwaltungen zu Bürgern und Unternehmen verbessern will, muss auch das Verhältnis zwischen den involvierten Verwaltungseinheiten neu definieren.
Ansprüche an die IT steigen rasant
Die organisationsübergreifende Digitalisierung von Behörden zielt im Wesentlichen auf zweierlei: auf bürgernahen und wirtschaftsfreundlichen Verwaltungsservice mit kurzen Antrags- und Entscheidungswegen sowie auf höhere Effizienz und nachhaltige Kostenreduktion. E-Government verbessert Standortbedingungen und ist haushaltspolitisch notwendig. Zudem schreibt die EU-Dienstleistungsrichtlinie in Artikel 8 explizit vor, dass amtliche Formalitäten im Zusammenhang mit Aufnahme und Ausübung einer Dienstleistungstätigkeit künftig in allen Mitgliedsstaaten elektronisch und aus der Ferne abzuwickeln sein müssen.
Für Rechenzentren im öffentlichen Sektor geht E-Government mit enormen Anforderungen einher. So steigt das Datenvolumen, das verarbeitet, verwaltet, gesichert und archiviert werden muss, permanent an. Laut Prognosen des Marktforschungsinstituts IDC wird sich die Menge der erzeugten Daten alle 18 Monate sogar verdoppeln. Man denke zum Beispiel an online bereitgestellte digitale Grundbuchauszüge mit komplexen Grafiken und geocodierten Inhalten. Außer entsprechend hoher Skalierbarkeit brauchen Rechenzentren vor allem auch mehr Flexibilität als heute, um die organisationsübergreifende Prozessverzahnung zwischen verschiedenen Verwaltungseinheiten adäquat abbilden zu können. Nicht zuletzt müssen IT-Architekturen, die Verwaltungseffizienz garantieren sollen, ihrerseits hocheffizient administrierbar sein.
Baukastenprinzip stand Pate
Im traditionellen Rechenzentrum reagieren Betreiber auf steigenden Kapazitätsbedarf meist mit Hardware-Erweiterung. Für neue Anwendungen – so die einfache Formel – müssen neue Server her. Angesichts der skizzierten Bedarfsentwicklung im E-Government-Umfeld verbietet sich ein solches Vorgehen allein schon aus Kostengründen. Stattdessen sollte die IT-Architektur als Ganzes vom Grundkonzept her hochskalierbar sein. Außerdem muss sie als gemeinsame Basis für unterschiedlichste Anwendungen aus verschiedenen Ämtern und Behörden taugen.
Möglich wird dies, wenn sämtliche Infrastrukturbestandteile und Dienste als standardisierte Module zur Verfügung stehen. Anschaulich gesprochen, präsentiert sich die Infrastruktur dann als ein Set aus wiederverwendbaren Funktionsbausteinen für Server-, Speicher-, Netzwerk-, Sicherheits- und Authentifizierungsfunktionen. Soll ein neues Verwaltungsverfahren implementiert werden, lassen sich die passenden Module nach dem Baukastenprinzip zusammensetzen.
Der Grundgedanke erinnert stark an das Konzept Software as a Service (SaaS). Der Ansatz geht über SaaS jedoch hinaus, weil er nicht nur Software umfasst, sondern auf alle Infrastrukturkategorien abhebt. Wichtig sind hier vor allem die Aspekte Wiederverwendbarkeit und Standardisierung. Nur unter dieser Bedingung lassen sich einzelne Module unabhängig voneinander weiterentwickeln und austauschen. Technologieanpassungen können vollzogen werden, ohne nennenswerte Auswirkung auf die Gesamtarchitektur. Überdies sind standardisierte, wiederverwendbare Komponenten der Schlüssel, um sowohl Entwicklungs- als auch laufende Wartungskosten dauerhaft zu reduzieren.
Konsolidiert und virtuell
Die Transformation im öffentlichen Sektor lässt sich mit Rechenzentren bewerkstelligen, die den sich verändernden und steigenden Anforderungen gerecht werden. Die zwei wichtigsten Eckpfeiler dieser IT-Architektur heißen Konsolidierung und Virtualisierung. So können Ressourcen zentral und damit effizienter administriert werden. Zudem lässt sich auch auf neue inhaltliche Anforderungen der Fachbereiche schneller und flexibler reagieren. Virtualisierung ermöglicht diese erfor- derliche Flexibilität. Eine Herausforderung in konsolidierten Rechenzentren ist die Gewährleistung von Mandantenfähigkeit. Gemeint ist damit, dass Behörden trotz gemeinsamer IT-Umgebung die Entscheidungshoheit über ihre Abläufe nicht verlieren. Dies lässt sich durch die hundertprozentige Abschottung der virtuellen Module, die jeder Behörde zugeordnet sind, erreichen. Zudem erleichtert Virtualisierung die Implementierung unterschiedlicher Security- und Datensicherheitslevels. Polizei und Steuerverwaltung beispielsweise brauchen ein deutliches höheres Sicherheitsniveau als etwa ein kommunales Bürgeramt.
Die Technologien für das beschriebene Architekturmodell stellt der Markt inzwischen zur Verfügung. Jetzt sind die IT-Verantwortlichen im öffentlichen Sektor in der Pflicht, ihre Rechenzentren damit in skalierbare und flexible Service-Umgebungen zu transformieren. Denn: Verwaltungseffizienz und E-Government-Fortschritt brauchen vor allem eins – hocheffiziente IT.
Weitere Informationen
Weitere Informationen
