Leadership & Innovation
Die Inforati-Dateien
Q&A mit David Sifry: Gründer und CEO von Technorati
Von Tim Devaney und Tom Stein

David Sifry war immer auf der Suche. Er versuchte es mit Yahoo und Google. Aber was er wirklich suchte, fand er nicht: sich selbst.

„Ich wollte einfach Bescheid wissen, wenn irgendwo auf der Welt über mich gesprochen wird.“ sagt er.

Das war im Jahr 2002, und Sifry hatte gerade das Bloggen entdeckt. Er war total begeistert – nicht so sehr wegen der Möglichkeit, seine eigene Meinung zu äußern, sondern darüber, zu erfahren, was andere über ihn sagten.

Aber die „Blogosphäre“ ist ein dynamischer Ort, der sich ständig verändert, und mit der Hilfe konventioneller Suchmaschinen konnte Sifry nur Ergebnisse finden, die in der Regel bereits einige Wochen alt waren. Also programmierte er seine eigene Suchmaschine Technorati, um nahezu jeden Blog im Internet durchsuchen und aktuelle Ergebnisse erhalten zu können.

Heute indiziert Technorati mehr als 68 Mio. Blogs und ist die anerkannte Institution für alles, was im Web geäußert wird – und zwar genau in diesem Moment.

Wann wurde Ihnen die Macht der Informationen zum ersten Mal bewusst?
Als ich noch ein Kind war, wurde mir klar, dass ich meine Eltern ganz leicht gegeneinander ausspielen konnte: ich erzählte meiner Mutter, dass mein Vater das Eine und meinem Vater, dass meine Mutter etwas anderes gesagt hatte. Es ist die klassische Informationswillkür, jedenfalls bis Mutter und Vater sich unterhalten. Dann bekommt man leider doch nicht das neue Lego-Spielzeug, das man so dringend haben wollte.

Was ist die wichtigste Information, die Sie je in Erfahrung gebracht haben?
Hast du einen Freund? Bist du verheiratet? Das sind relativ wichtige Informationen. Dann war da noch der Moment, als der Schwangerschaftstest positiv war. Das war die vielleicht wichtigste Information.

Warum sind Blogs so beliebt?
Sie befriedigen das Kommunikations- und Unterhaltungsbedürfnis der Menschen, und sie gestatten uns, an erstaunlichen sozialen Erfahrungen teilzuhaben. Wir bewegen uns weg von der Zweiteilung in Produzent und Konsument, hin zu einer Informationswirtschaft, in der jeder für jeden produziert und jeder von jedem konsumiert. Also vergessen Sie nie Ihr Kamera-Handy. Man weiß ja nie, ob Michael Richards nicht mal wieder in einem Comedy-Club durchdreht.

Wer sind Ihre Idole im Bereich Informationen?
Brewster Kahle von Internet Archive. Er arbeitet daran, all diese flüchtigen Informationen zu archivieren, damit wir in ein paar Jahren noch sehen können, wie das Internet 1996 oder 1998 ausgesehen hat. All das würde verloren gehen, wenn es Leute wie ihn nicht gäbe.

Welche Tools nutzen Sie für das Management von Informationen?
Ich bin ein Hamster und werfe nie etwas weg. Ich habe mehrere Terabyte Speicherplatz zuhause. Aber ich verwende auch DVDs als Backup-System. Kurz vor Weihnachten brenne ich immer alle Videos und Fotos, die ich das Jahr über aufgenommen habe, auf vier oder fünf DVDs, die ich dann als Weihnachtsgruß an meine Verwandten verschicke. Falls es in San Francisco mal wieder ein Erdbeben gibt oder es bei mir zuhause brennt, verfüge ich also über mehrere redundante Speichersysteme.

Welche ist die größte Veränderung der letzten zehn Jahre im Informationsmanagement?
Das ständige Sinken der Preise für Speicher hat deutliche Auswirkungen gehabt. Und, da mein Hobby die Fotografie ist, die deutliche Steigerung der Qualität und Senkung der Kosten für die digitale Bildverarbeitung.

Fühlen Sie sich jemals überfordert?
Ja, beispielsweise während der Wahlkampagne 2004. Ich erinnere mich, dass ich mir wünschte, eine Wand aus Fernsehern in meinem Wohnzimmer zu haben. Aber es strömten so viele Informationen herein, dass ich in keiner Weise vernünftig oder produktiv bleiben konnte. Dennoch, auch wenn ich nicht genügend Zeit habe, so tut es doch der Rest der Welt. Ich verlasse mich auf die wunderbaren Netzwerkfähigkeiten von Millionen von Menschen, um Entscheidungen über die Dinge zu treffen, die ich mir ansehen sollte.

Was würden Sie im Augenblick wirklich gerne wissen wollen?
Welche Aktien morgen erfolgreich sein werden. Natürlich können wir heute noch nicht wissen, was morgen geschieht. Aber eigentlich ist die Zukunft ja bereits hier, sie ist nur ungleichmäßig verteilt. Die Frage ist nicht, wie der Aktienkurs von morgen aussehen wird, sondern wie Sie sicherstellen können, dass Sie an der Spitze des Informationsflusses stehen, damit Sie vor allen anderen intelligente Entscheidungen treffen und Fehler korrigieren können. Wenn Sie dazu in der Lage sind, können Sie gar nicht verlieren.

Das digitale Universum
Ticker
Lesen Sie die IDC-Prognose zum weltweiten Informationswachstum bis 2010, und laden Sie den Ticker herunter, der die Informations-Bytes zählt, die in diesem Jahr im digitalen Universum erstellt und repliziert werden. Weitere Informationen
Notes: